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Digitale Hilfsmittel wie Software Programme für Computer, Apps für Smartphones, Tablet-basierte und Virtual-Reality-basierte Interventionen können die traditionelle klinische Praxis in der Neurologie sinnvoll ergänzen. Mobile Apps zur Einhaltung eines gesunden Lebensstils und zur Steigerung der Adhärenz einer verordneten medikamentösen Therapie sind bereits verfügbar.

In dem narrativen Review (Journal of Neurology, 2022; DOI: 10.1007/s00415-021-10608-4) geben ita­lienische Neurologen einen Überblick zu den derzeitigen Forschungsstand in der Versorgung von Pa­tienten mit neurologischen Erkrankungen vor allem im Bereich Rehabilitation mit digitalen Gesund­heitsanwendungen (DiGAs).

Aktuelle Forschungsaktivitäten weisen auf ein großes Potenzial von Virtual-Reality-basierten Inter­ventionen hin, beispielsweise für Patienten mit motorischen Beeinträchtigungen (u.a. Gleichgewichts­störungen und Gangstörungen). Getestet werden derzeit auch Virtual-Reality-basierte Interventionen, die Alltagssituationen visualisieren, zum Beispiel für das Training des Einkaufs im Supermarkt.

Interventionen in 3D werden zukünftig für Rehabilitationsansätze zur Verbesserung der Propriozeption und Koordination mit sensomotorischen Trainingsprogrammen an Bedeutung gewinnen. Videospiel-basierte Ansätze werden derzeit für die motorische Rehabilitation zum Beispiel bei Patienten mit Morbus Parkinson und Multiple Sklerose erforscht.

Tablet-basierte Anwendungen wurden bisher erfolgreich an Schlaganfallpatienten zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten und Geschicklichkeit untersucht. DiGAs werden neben dem Training von moto­rischen Fähigkeiten zunehmend auch als potenziell wirksame Option zur Verbesserung der Neuroplas­tizität des Gehirns im Rahmen der kognitiven Rehabilitation angesehen. Die Kombination aus motori­schem und kognitivem Training mittels Virtual-Reality-basierten Anwendungen, wäre zum Beispiel für die Rehabilitation von Parkinsonpatienten nützlich.

Als semantische und phonologische Trainingswerkzeuge bei Aphasie werden aktuell Tablet-basierte und Virtual-Reality-basierte Interventionen erforscht. Erworbene Schreibstörungen (Dysgraphie) sind bei Aphasie ebenfalls häufig, die mit solchen digitalen Hilfsmitteln ebenfalls positiv beeinflusst werden können.

Neben sensomotorischen und kognitiven Beeinträchtigungen werden DiGAs in Zukunft viele weitere neurologische Defizite, wie Sehstörungen, Dysphagie, Müdigkeit, Depressionen und Schmerzen, zum Beispiel in Kombination mit Web-basierten Selbsthilfeprogrammen adressieren. Weitere nicht-pharmako­logische Interventionen, wie kognitive Therapie, psychosoziale und pädagogische Interventionen können durch medizinische Apps für Smartphones zum Beispiel bei Patienten mit Epilepsie und Migräne in Be­tracht kommen.

Laut Studienautoren sind in Bezug auf digitale Technologien aber auch noch einige Fragen offen, zum Beispiel hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Gesundheitssystem und zu einheitlichen Standards zur Validierung von DiGAs sowie der Einführung von standardisierten Interventionsproto­kollen.

Insbesondere in Bezug auf Virtual-Reality- und Videospiel-basierte Telerehabilitation gibt es derzeit keinen Konsens zur Trainingsdauer und -intensität sowie zur Bewertung der klinischen Wirksamkeit. Zukünftige Studien sollten darauf angesetzt werden, die besten Interventionsprotokolle zur Wirksamkeit, Sicherheit, Durchführbarkeit zu ermitteln, um die Verwendung von DiGAs im klinischen Alltag voranzu­treiben, schlussfolgern die Studienautoren. 

Quelle: Pressemitteilung von aerzteblatt.de