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Es mangelt nicht nur in den neurologischen Stationen an Pflegepersonal. Arbeitgeber können durch attraktive Bedingungen entgegenwirken. Prof. Cassier-Woidasky erläutert, welche Bedingungen Pflegekräfte sich von ihren Arbeitgebern wünschen.

„Der Bedarf an pflegerischer Kompetenz steigt in der Neurologie“

Dies sagte Anne-Kathrin Cassier-Woidasky, Saarbrücken. Neurologische Erkrankungen betreffen die gesamte Lebensführung der Patienten, daher sei die qualifizierte Pflege für die Qualität der Versorgung zentral und das sei nur im interprofessionellen Team möglich. Die Rahmenbedingungen heute sind allerdings eine hohe Personalfluktuation, eine hohe Belastung und ein Personalschlüssel in Deutschland, der zu den weltweit schlechtesten gehört. „Daraus entsteht ein Teufelskreis: Der Personalmangel führt zu Arbeitsverdichtungen beim verbleibenden Personal, das erhöht die Fluktuation, reduziert die Qualität und das erhöht die Ausstiegsbereitschaft“, so die Expertin. Die Pandemie wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger. Schon 2010 waren 37 % der Pflegenden mit Ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden, 36 % wollten ihren Arbeitsplatz binnen eines Jahres wechseln. Die Folge ist, dass 2021 35 % der Lowcare-Betten in der Intensivpflege nicht mehr betrieben werden können. Eine der dringendsten Fragen heute ist daher, wie sich qualifizierte Pflegekräfte finden und halten lassen.

Inwiefern ist die Politik hier wichtig?

Die Rahmenbedingungen, so Cassier-Woidasky, setzt die Politik. Auf der einen Seite wurde schon in den 90er Jahren der Personalabbau stark vorangetrieben, auf der anderen Seit wurde gezeigt, dass mehr Personal nur dann zu besseren Bedingungen führt, wenn im Krankenhaus gute Arbeitsbedingungen herrschen. Es gibt gut bekannte Maßnahmen, mit denen die  Arbeitsbedingungen verbessert werden können, jedoch muss sich dafür die Unternehmenskultur ändern. Der erste der vier wichtigsten Punkte ist ein gutes Führungsverhalten, d. h., Vorgesetzte fühlen sich verantwortlich für ihre Mitarbeiter, sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst, sorgen für ein gutes Miteinander und geben positives Feedback. Bei Führungskräften solle daher darauf geachtet werden, das nicht nur die fachliche Kompetenz stimmt, sondern auch die sozialen- und Leitungskompetenzen. Zweitens wird in attraktiven Häusern eine Lobkultur gepflegt, „das Lob der Chef- und Oberärzte wird als wertvoller eingeschätzt, als das Lob von Kollegen, Stations- oder Pflegedienstleitung“, so Cassier-Woidasky. Fehlende Anerkennung wirke sich aus auf Pflegequalität, Arbeitsleistung und Wohlbefinden. Der dritte Punkt ist die Zusammenarbeit von Ärzten und Pflegern. Bei schlechter Zusammenarbeit sinkt die Qualität und die Unzufriedenheit, die Wechselbereitschaft und die Erschöpfung wachsen. Daher ist es wichtig, dass Chefärzte mit den Führungskräften der Pflege zusammenarbeiten. In attraktiven Krankenhäusern können die Pflegekräfte die Arbeit mitgestalten. Das setzt Mitbestimmung voraus und stellt den vierten wichtigen Punkt dar. Ein Problem dabei ist, dass Pflegekräfte oft nicht den Gebrauch von einer möglichen Mitbestimmung machen, was unter anderem mit einer besseren Ausbildung gelöst werden kann.

Quelle: DGN 2021 „Pflege in der Neurologie“, 05.11.2021, 10:30-12:00