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Es ist bekannt, dass die Alzheimer-Erkrankung durch genetische Mutationen auf den Chromosomen 1, 14 und 21 ein auslösendes Moment sein kann. Außerdem befindet sich auf Chromosom 19 noch ein Risikofaktor, das sogenannte ApoE. Wenn jemand homozygot für das ApoE4-Allel ist, dann besteht eine 70%ige höhere Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken. Doch wie ist der aktuelle Stand der Diagnostik?

Neue Biomarker der Alzheimer-Erkrankung

Auf neue Biomarker der Alzheimer-Erkrankung ist Prof. Gerhard Multhaup, Montreal, Kanada, aufgrund von molekularbiologischen Arbeiten gestoßen. Generell ist bekannt, dass das APP-spaltende Beta-Site-Enzym 1 (BACE1) vor allem zur Spaltung des Amyloid-Vorläuferproteins (APP) führt, die wiederum die Bildung von Aβ-Peptiden zur Folge hat. Die veränderten BACE1-Spiegel beeinflussen den Abbau von Aβ40 und Aβ42 zu einem gemeinsamen Aβ34-Zwischenprodukt. Es gibt Evidenz dafür, dass Aβ34 bei Personen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung und einer später diagnostizierten Demenz erhöht ist. Da das das Aβ34/Aβ42-Verhältnis mit präklinischen Markern der Neurodegeneration zusammenhängt, könnte Aβ34 einen Marker für die Amyloid-Clearance darstellen [1].

AT(N)-Biomarker-System

Die klinische Syndrom-Diagnose ist nur ein Teil des Spektrums. Die Alzheimer-Erkrankung beginnt deutlich vor dieser Diagnose anhand von frühen Veränderungen. Daraus ist das AT(N)-Biomarker-System entstanden, das hilft den Diagnosegrad und die Vorhersagemöglichkeit zu verbessern. Wichtig ist hierbei, dass Aβ42/40 ein besserer Amyloid-Biomarker ist als Aβ42 allein. Der potenzielle Nutzen für die Zukunft ist hier im Hinblick auf das Screening, die Prognose, die Diagnose und die Therapie relevant. Neue Biomarker sind zukünftig auch in das AT(N)-System integrierbar. Die Diagnose kann zum jetzigen Zeitpunkt früh gestellt werden, doch wann möchte man wissen, ob eine Erkrankung aufkommen wird? Derzeit gibt es hier keine passende Therapie, allerdings könnte sich die Einstellung dazu ändern, wenn eine entsprechende vorliegt, erläuterte Prof. Kathrin Reetz, Aachen.

Kann Tau-PET die Amyloid-Marker ersetzen?

Amyloid-Marker sind gut validiert, stellt Dr. Gerard Nisal Bischof, Köln, fest. Allerdings ist zu bedenken, dass die Validierung anhand von antemortem-postmortem Studien hinsichtlich vieler bereits wissenschaftlich genutzter Tau-Tracer noch aussteht. In präklinischen und prodromalen Stadien der AD-Erkrankung sind die Amyloid-Marker nicht durch Tau-PET zu ersetzen, beim AD-Stadium jedoch schon. Wichtig ist, dass die Tau-PET zum Erkenntnisgewinn in der Differentialdiagnose beitragen kann, aber der klinische Nutzen noch quantifiziert werden muss.

Literatur beim Verfasser

Quelle: DGN 2021 „Altern und demenzielle Erkrankungen“, 05.11.2021, 15:45-17:15