Notiz auf einem Kalender: Psychotherapie
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PPP-Richtlinie: Minutenwerte unverändert – gesetzlicher Auftrag nicht erfüllt

„Die psychotherapeutische Behandlung von PatientInnen in Psychiatrie und Psychosomatik muss weiter verbessert werden. Wer in eine Klinik eingewiesen wird, braucht mehr als 49 Minuten Psychotherapie pro Woche – nämlich eine intensive, engmaschige, umfassende psychotherapeutische Behandlung“, stellt Gebhard Hentschel fest, Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) passte am Donnerstag die Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik-Richtlinie (PPP-RL) an. „Die Minutenwerte für PsychotherapeutInnen entsprechen immer noch nicht ihrer Bedeutung in der Versorgung. PatientInnen haben Anspruch auf Psychotherapie nach wissenschaftlichen Behandlungsleitlinien.“

Gesetzlicher Auftrag nicht erfüllt

„Der gesetzliche Auftrag, die Psychotherapie entsprechend ihrer Bedeutung in der Versorgung abzubilden, wurde nicht umgesetzt“, sagt der Bundesvorsitzende. Die Richtlinie führe dazu, dass Kliniken auch weiterhin nicht genügend PsychotherapeutInnen einstellen werden. „Multiprofessionelle Zusammenarbeit ist heute eine Selbstverständlichkeit jedoch kann Psychotherapie ausschließlich von dafür ausgebildeten PsychotherapeutInnen übernommen werden.“

Umsetzung prüfen

Die Unterschreitung der ohnehin zu geringen Mindestanforderungen habe in der bisherigen Richtlinie keine Folgen gehabt – leider werde diese Regelung fortgesetzt. Erst 2023 in der Psychiatrie und 2024 in der Psychosomatik solle sich das ändern. Eine Richtlinie, so Hentschel, die bei Nicht-Erfüllen keinerlei Konsequenz hat, sei nicht zielführend. Es sei bedauerlich, dass es offenbar Sanktionen brauche, damit Personalbemessung real umgesetzt werde. „Seit 2020 ist die PPP-RL in Kraft. Somit war genug Zeit, ausreichend Personal aufzubauen. Manche Kliniken haben sogar Personal abgebaut, um die zulässige Unterschreitung auf 85 % des notwendigen Personals umzusetzen“, kritisiert Hentschel. „Das ist ein Skandal. PatientInnen und Mitarbeitende müssen daher vor Willkür und den gefährlichen Auswirkungen von Personalunterbesetzung geschützt werden. Das Argument, es gebe nicht genug Fachkräfte, lassen wir nicht gelten. Es wurde im Berufsstand der PsychotherapeutInnen dafür gesorgt, dass genug qualifizierter Nachwuchs zur Verfügung steht. Diese Kompetenz sollte bei PatientInnen auch dringend ankommen.“

Quelle: DptV (Deutsche PsyhotherapeutenVereinigung)